Zahlen & Fakten der TSD, 1. Halbjahr 2020

Deutsch lernen

Das Zusammenleben und die Integration von Personen mit und ohne Migrationshintergrund sind zentrale gesellschaftspolitische Themen, die alle Lebensbereiche betreffen. Wesentliche Elemente einer erfolgreichen Integration sind eine effektive Kommunikation und somit das Erlernen der deutschen Sprache. Dadurch wird die Voraussetzung für eine gemeinsame Entwicklung unserer Gesellschaft geschaffen.

Im ersten Halbjahr 2020 wurden von den TSD tirolweit 50 Deutschkurse mit insgesamt 656 Kursplätzen angeboten. Das Kursangebot reicht von Sprachkursen auf den Niveaustufen Alpha, A1, A2, B1 und B2 über spezielle Kurse zur Vermittlung von Werte- und Orientierungswissen bis hin zu Kursen, in denen gezielt der Wortschatz für bestimmte Berufsfelder erworben wird. Der erste derartige Spezialkurs im Bereich „Pflege“ konnte 2019 in Zusammenarbeit mit dem Wohnheim Pradl erfolgreich umgesetzt werden. Neben den Kursen für Asylwerber*innen in der Grundversorgung fanden auch 4 Startpaket-Kurse des Österreichischen Integrationsfonds in Lienz, Reutte und Telfs für Asyl- und subsidiär Schutzberechtigte statt.

Aktuelle Zahlen

Kurse 40 laufend, 10 abgeschlossen
Kursplätze 656
Plätze bei Probe- und Prüfungen 130

Die Auslastung der Kurse liegt insgesamt bei 87 Prozent; rund 60 Prozent der Teilnehmer*innen bestehen die Prüfungen.

Die Abhaltung der Deutschkurse erfolgt in Kooperation mit Ibis Acam (https://www.ibisacam.at/).

 

Tirol bei Deutschkursen bundesweit auf Platz 1

Im Bundesländervergleich über den Zugang zu Deutschkursen für Asylsuchende belegt Tirol nach einer Recherche von SOS Mitmensch 2019 erneut den ersten Platz: „Tirol hat wie auch schon 2016 im vorliegenden Gesamtranking den ersten Platz erreicht und zeigt bei allen fünf Kriterien [Masterplan, Abdeckungsrate, Kursintensität, Kursniveaus, Rahmenbedingungen] kontinuierlich ein gutes Angebot. Zwar ist auffällig, dass das vorliegende Zahlenmaterial darauf hindeutet, dass ein geringerer Anteil an Asylsuchenden effektiven Zugang zu den Deutschkursen hat, gleichzeitig hat sich jedoch die Intensität des Angebots verbessert. Von den Kursniveaus ist man mit Alphabetisierung bis B2 im Vergleich zu den anderen Bundesländern gut aufgestellt. Kinderbetreuung wird fallweise angeboten, die Anfahrtskosten werden, wenn notwendig, übernommen.“

Die gesamte Studie kann hier nachgelesen werden:

https://www.sosmitmensch.at/deutliche-verschlechterung-bei-deutschkursen-fuer-asylsuchende

 

Beratung und Begleitung für Asylwerber*innen, Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte

Die Personen, die als Flüchtlinge nach Österreich kommen, sind meist aus anderen Kulturkreisen und nicht mit unseren Systemen vertraut. Somit haben sie oft keine oder zu wenig Informationen über Möglichkeiten und Angebote, die ihnen zustehen. Sie müssen sich zunächst in der neuen Struktur zurechtfinden. Die Weitergabe aller notwendigen Informationen zum frühestmöglichen Zeitpunkt ist daher entscheidend für den Integrationsprozess. Hierfür müssen entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit eine kulturelle und soziale Integration gelingen kann.

Unter dem Namen „Tiroler IntegrationsKompass“ (TIK) bieten die TSD jenen Menschen, die in Tirol auf den Abschluss ihres Asylverfahrens warten Information,  Beratung und Orientierung - sowie auch begleitend für Personen mit erfolgter Aufenthaltsberechtigung.

8 Berater*innen, Coaches bzw. Trainer*innen sind in allen Bezirken Tirols vertreten.

 

Die Leistungen des TIK im Überblick

Abgeschlossene persönliche Beratungen (Case-Management) 280
Beratungskontakte mit Klient*innen 1.800
Geleistete Beratungseinheiten 1.600 h (bei durchschn. 50 min / Termin)
Kompetenzcheck (basic) inklusive Perspektivenpläne und Lebenslaufcoaching 180 Teilnehmende
Kompetenzcheck (complete), Kompetenzdiagnostik & Potentialanalyse 100 Teilnehmende
Vernetzung und Vermittlung zu Behörden, Systempartner*innen, Arbeitgeber*innen 810 (durchschn. 3 Vermittlungen / Klient*in nach Handlungs- & Perspektivenplan)
Eigene Integrationsprojekte, Initiierung und Umsetzung 4 abgeschlossene und 4 laufende Projekte, lokal und / oder überregional
Darstellung aller Integrationsmaßnahmen im IntegrationsKompass & Pflege Datenbank Für alle Klient*innen aktiv in GVS zuständig: aktuell 1.830

 

Impact (Wirkung auf Leistungsempfänger - subjektive Effektivität):

  • Durchgängige Beratung und Begleitung für Zielgruppe Asylwerber, Asylberechtigte und Subsidiär Schutzberechtigte tirolweit und bedarfsorientiert -> Kontinuität in der Versorgung und prozessorientiertem Coaching
  • Effektive Unterstützung und Vermittlung im Bereich, Sprache, Bildung/Ausbildung, Tätigkeiten -> zielgerichteter, rascher Einstieg in die österreichische Bildungs- & Berufslandschaft bzw. Unterstützungssysteme
  • Sichtbarmachung & Förderung von vorhandenen personalen, sozialen, fachlichen Kompetenzen und Ressourcen, angeleitete Ausbildungs- und Berufsqualifizierung (vgl. Schnuppern und Berufspraxis) sowie standardisierte und zertifizierte Dokumentation
  • Zugänglichkeit, Regionalität und professionalisiertes Setting (niederschwellig, dolmetschgestützt, stationär und/oder aufsuchend, zielgruppenspezifische und infrastrukturelle Ressourcen) -> Mehrleistung: Personalisierung im ganzheitlichen Integrationsprozess (vs. ausschließliche Bedarfsorientierung anderer Organisationen)

 

Outcome (gesellschaftliche Wirkung und Nutzen - kollektive Effektivität):

  • Effiziente Integration der Zielgruppe in Bildungssysteme, effektive Arbeitsmarkt-integration und Berufsqualifizierung sowie langfristig gesellschaftliche Partizipation
  • Auflösung bestehender Unterbrechungen u. effektive ‘One-Stop-Shop‘ Lösungen -> lückenlose Vermittlung, gezielte Förderung, optimierte Nutzung von Angeboten
  • Grundlegende Erfassung und spezifische Förderung elementarer Kompetenzen für berufliche Bildung & Arbeit zum frühestmöglichen Zeitpunkt -> Sicherstellung eines langfristigen erfolgreichen Verbleibs in Ausbildungs- und Arbeitsmarktsystemen (vgl. ausbildungs- und arbeitsmarktspezifisches Profiling und Matching)
  • Flexibles Angebot und TIK als offizieller Nachweis: bei Behörden, AMS sowie Arbeit-geberInnen anerkannt, zur Konsultation & effektiven Weiterarbeit institutionalisiert
  • Unterstützung, effektive Vorarbeit und Zusammenarbeit mit (lokalen/überregionalen) SystempartnerInnen sowie Entlastung von Helfersystemen (vgl. operationalisierte Schnittstellen mit BH, AMS, ÖIF, it-works bzw. zentralen Bildungs- & Beratungseinrichtungen BBE -> keine Doppelgleisigkeiten, spezifischer Mehrwert, Alleinstellungsposition TIK-Kompetenzcheck-Paket in der Institutionslandschaft)

Effizientere Nutzung von Ressourcen u. Erhöhung des Versorgungsgrades -> TIK (TSD) als vernetzende Stelle: Netzwerk an institutionellen Kooperationen und effizienten Allokationen, das eine optimale Versorgung der KlientInnengruppe mit Flucht- bzw. Migrationshintergrund langfristig ermöglicht.

Der Tiroler IntegrationsKompass ist im Jahr 2018 vom MCI Innsbruck evaluiert worden und befindet sich im Zertifizierungsverfahren des IBOBB-Qualitätssiegel - ein Verfahren der externen Qualitätssicherung für Organisation im Feld "Information, Beratung und Orientierung für Bildung und Beruf (IBOBB)". Dieses Verfahren wird vom Österreichischen Institut für Berufsbildungsforschung (öibf) umgesetzt und bestimmt im Rahmen des Verfahrens die Verlässlichkeit, Professionalität und Stimmigkeit von Beratungsangeboten.


Mehr über die Arbeit des TIK finden Sie hier: https://www.tsd.gv.at/tiroler-integrationskompass.html

 

Sicherheitsrelevante Ereignisse in TSD-Einrichtungen im ersten Quartal 2020

Aufgrund des Zusammenlebens unterschiedlichster Menschen in unseren Grundversorgungseinrichtungen, deren Fluchthintergrund zumeist auf dem Grundbedürfnis der eigenen Sicherheit bzw. körperlichen Unversehrtheit basiert, kommt der Sicherheit in unseren Grundversorgungeinrichtungen eine spezielle Rolle zuteil.

Wir setzen uns für ein gutes Miteinander aller Menschen ein, die in Tirol leben. Deshalb spielt Sicherheit in unserer täglichen Arbeit eine wichtige Rolle: Sicherheit für Klient*innen und Mitarbeiter*innen unserer Einrichtungen. Wir sind in dauerndem und routinemäßigem Austausch mit den zuständigen Behörden.

Hier ein Überblick über sicherheitsrelevante Ereignisse in TSD-Einrichtungen im ersten Halbjahr 2020, soweit sie durch Protokolle der TSD-Security erfasst wurden.

  • Hausverbote: 44 Ereignisse

Hausverbote werden von der Einrichtungsleitung ausgesprochen, wenn zB Besucher*innen die Hausordnung nicht einhalten.

  • Feuerwehr: 8 Ereignisse

Die Feuerwehr wird gerufen, wenn zB ein Rauchmelder anspringt.

  • Unterbringungen / UMF: 11 Ereignisse

Hier ist die Unterbringung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge (UMF) und anderer asylsuchender Personen erfasst.

 

Das Sicherheitspaket der TSD und die aktuelle Herausforderungen werden regelmäßig mit der Polizei und der MÜG (Mobile Überwachungsgruppe, Anm.) besprochen und gegebenenfalls adaptiert. Grundsätzlich wird die Lage in den Unterkünften der TSD von der Polizei als sehr ruhig eingestuft.

 

Polizei

 

  • Einsätze: 27 Ereignisse

Hier sind Ereignisse erfasst wie: Unterstützung der TSD-Security beim Verweis von Besucher*innen oder fremden Personen, die sich nicht an die Hausordnung halten; Polizeieinsätze bei Auseinandersetzungen zwischen Bewohner*innen und Besucher*innen; Unterstützung der TSD-Security bei der Einhaltung der Hausordnung (zB Alkoholkonsum)

  • Briefzustellungen: 5 Ereignisse
  • Unterbringungen: 10 Ereignisse

Hier sind Ereignisse erfasst, bei denen die Polizei Asylsuchende, die sie aufgegriffen hat, in eine Einrichtung der TSD überstellt.

  • Kontaktaufnahmen: 60 Ereignisse

Die Polizei nimmt mit TSD-Mitarbeiter*innen Kontakt auf, weil sie auf der Suche nach Personen ist oder Fragen zu Personen hat.

  • Streitigkeiten: 18 Ereignisse

Hier sind Streitigkeiten zwischen Bewohner*innen und/oder Besucher*innen erfasst, die von der TSD-Security protokolliert wurden.

  • Rettung: 49 Ereignisse

Die Rettung wird gerufen (durch Bewohner*innen oder TSD-Security), wenn ein medizinischer Notfall vorliegt oder der Verdacht auf einen medizinischen Notfall besteht.

  • Grenzüberschreitendes Verhalten gegen Security: 12 Ereignisse

Unter diesem Punkt wird grenzüberschreitendes Verhalten von Besucher*innen und Bewohner*innen gegen die TSD-Security erfasst (zB verbale Aggression im Rahmen einer Streitschlichtung).

  • Unangemeldete Besucher*innen nach 22 Uhr: 37 Ereignisse

Darunter sind Personen zu verstehen, die nicht in der Einrichtung gemeldet sind und vom Gelände verwiesen werden.

  • Weitere sicherheitsrelevante Ereignisse

Die Mitarbeiter*innen der TSD-Security sind rund um die Uhr im Einsatz. Ihr Aufgabengebiet umfasst auch den Einsatz bei technischen Problemen (etwa im Fall einer defekten Heizung oder Wasserversorgung) oder um die Einhaltung der Nachtruhe für alle Bewohner*innen sicherzustellen. Die TSD-Security trägt mit ihrer Arbeit auch zur Erhöhung des Sicherheitsgefühls bei den Bewohner*innen der TSD-Einrichtungen bei.

 

Die Landespolizeidirektion Tirol (LPD) bestätigt „die Zusammenarbeit auf vielen Ebenen sowie die Plausibilität der Erfassung“, weist aber darauf hin, dass die „Erfassungsroutinen“ von LPD und TSD „nicht deckungsgleich“ sind.

 

Übersicht von Leistungsbezieher*innen in der Grundversorgung in Tirol gesamt

Über uns

In zahlreichen Tiroler Gemeinden befinden sich Unterkünfte für geflüchtete Menschen. Für die Betreuung ist die Tiroler Soziale Dienste GmbH (TSD) zuständig. Die engagierten Mitarbeiter*innen helfen diesen Menschen vor Ort, sich in Tirol einzuleben. Des Weiteren betreibt die TSD drei Notschlafstellen und einen geschützten Raum für suchtkranke Menschen.

Parteienverkehr

Unser Parteienverkehr findet jeden Donnerstag zwischen 14:00 und 16:00 in der Trientlgasse 2, 6020 Innsbruck statt.

Bei dringenden Angelegenheiten melden Sie sich bitte unter:

 

+43 512 21 440

Kontakt

Tiroler Soziale Dienste GmbH
Sterzinger Straße 1
6020 Innsbruck

+43 512 21440

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